Zyprisches Kupfer und Metallnutzung auf Sardinien zwischen Spätbronzezeit und früher Eisenzeit

Multidisziplinäre Untersuchungen zur Rolle zypriotischen Kupfers in der Metallzirkulation Sardiniens.

  • Laufzeit: 01.08.2026-31.07.2027
  • Förderer: Fritz Thyssen Stiftung

Die Fritz Thyssen Stiftung fördert ein neues Forschungsprojekt am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA), das sich mit einer der zentralen Fragen der Archäometallurgie beschäftigt: Welche Rolle spielte zyprisches Kupfer für die Metallversorgung Sardiniens zwischen der Spätbronzezeit und der frühen Eisenzeit?
 
Im Mittelpunkt des Projekts stehen sogenannte Ochsenhautbarren – charakteristische Kupferbarren, die im gesamten Mittelmeerraum als standardisierte Transportform für Rohkupfer verbreitet waren. Zahlreiche Funde belegen, dass diese Barren von Zypern bis nach Sardinien gelangten und Teil weitreichender Handelsnetzwerke waren. Dennoch sind viele Fragen zur Herkunft des verwendeten Kupfers, zu seiner Verarbeitung und zu den Handelswegen bis heute ungeklärt.
 
Das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Projekt verfolgt einen innovativen multidisziplinären Ansatz. Mithilfe hochpräziser Blei-, Rhenium-Osmium- und Spurenelementanalysen werden zwei auf Zypern entdeckte Ochsenhautbarren sowie weitere Vergleichsproben untersucht. Ziel ist es, die Herkunft des Kupfers möglichst genau einzugrenzen und erstmals die Osmium-Isotopensignatur zyprischen Kupfers systematisch zu charakterisieren.
 
Ausgangspunkt des Projekts sind aktuelle Untersuchungen sardischer Bronzeobjekte, die außergewöhnlich hohe Osmiumkonzentrationen und ungewöhnliche Isotopensignaturen aufweisen. Diese lassen sich bislang weder durch sardische Erzvorkommen noch durch bekannte metallurgische Prozesse vollständig erklären. Das neue Forschungsvorhaben soll nun klären, ob diese Signaturen bereits im auf Zypern produzierten Rohkupfer vorhanden waren oder erst im Verlauf der Weiterverarbeitung und des Metallrecyclings entstanden.

Sog. Ochsenhautbarren von Kyrenia, Zypern. Bild: B. Kizilduman


Neben der Herkunft des Metalls richtet sich der Blick auch auf die Herstellung der Ochsenhautbarren selbst. Durch die Analyse mehrerer Proben aus unterschiedlichen Bereichen einzelner Barren wird untersucht, ob diese aus einer homogenen Kupferschmelze gegossen wurden oder ob verschiedene Kupferchargen miteinander vermischt wurden. Die Ergebnisse versprechen neue Einblicke in die Organisation der spätbronzezeitlichen Kupferproduktion und in die technologischen Fähigkeiten der damaligen Metallhandwerker.
 
Das Projekt knüpft an langjährige Forschungsarbeiten zur Herkunftsbestimmung archäologischer Metalle an. In den vergangenen Jahren konnten am CEZA neue analytische Verfahren entwickelt werden, die verschiedene Isotopensysteme miteinander kombinieren und dadurch eine deutlich präzisere Rekonstruktion antiker Rohstoffströme ermöglichen. Die nun bewilligte Pilotstudie erweitert diesen Ansatz erstmals auf zyprische Ochsenhautbarren und schafft damit wichtige Referenzdaten für zukünftige Untersuchungen im Mittelmeerraum.
 
Mit der Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung wird ein Forschungsvorhaben ermöglicht, das neue Erkenntnisse zur Herkunft antiker Metalle, zu den Handelsbeziehungen zwischen Zypern und Sardinien sowie zur Organisation der Metallwirtschaft im Mittelmeerraum zwischen etwa 1500 und 900 v. Chr. erwarten lässt.