Über 1.000 Jahre nach seinem Tod liefern moderne Analyseverfahren neue Erkenntnisse über das Leben und die Grablege Ottos des Großen. Das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) trug mit Isotopen- und Datierungsanalysen maßgeblich dazu bei, die Identität des im Magdeburger Dom Bestatteten zu klären.

Das Projekt und die wissenschaftliche Beteiligung des CEZA
Seit Anfang 2025 steht das Grabmal Kaiser Ottos des Großen im Mittelpunkt eines umfangreichen Dokumentations- und Konservierungsprojekts. Da der steinerne Sarkophag sowie der hölzerne Innensarg durch Korrosion und Feuchtigkeit akut gefährdet waren, wurden die Inhalte zur Sicherung entnommen und konnten damit einer multidisziplinären Forschergruppe zugänglich gemacht werden.

Innerhalb dieses Netzwerkes beschäftigt sich das CEZA unter anderem mit zwei Fragestellungen – Der Chronologie und der Lebensweise als wesentliche Teile des Gesamtpuzzles. Hier kommen die naturwissenschaftlichen Altersbestimmung der Funde mittels Radiokohlenstoffmethode (¹⁴C), sowie die Rekonstruktion der Ernährungsgewohnheiten durch Isotopenanalysen zum Einsatz.
Verkündung der Forschungsergebnisse
Die Ergebnisse dieser Gemeinschaftsarbeit wurden am 18. März 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Campus der Universitätsmedizin Magdeburg präsentiert. Experten des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, der Universitätsmedizin Magdeburg, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und des CEZA legten gemeinsam dar, warum es sich bei dem Skelett mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Otto den Großen (gest. 973) handelt.
Der Weg zur Identifizierung: Kooperation der Disziplinen
Der Untersuchungsprozess war durch eine enge Verzahnung verschiedener Fachrichtungen geprägt:
- Konservierung & Dokumentation: Nach der Einhausung des Grabmals im Dom wurde die 300 kg schwere antike Marmorplatte gehoben, um den gefährdeten Holzsarg zu bergen.
- Archäologische Befunde: Neben den Gebeinen wurden Textilfragmente aus byzantinischer Seide und ein Moritzpfennig aus dem 13. Jahrhundert dokumentiert, die auf spätere Umbettungen hinweisen.
- Laborarbeit: Während die Anthropologie ein Sterbealter von ca. 60 Jahren und eine für die Zeit beachtliche Größe von 180 cm feststellte, lieferte das CEZA die physikalische Datierung und chemische Charakterisierung.
„Es ist faszinierend, dass wir heute mithilfe der Radiokohlenstoffdatierung und moderner Isotopenanalysen aus den Knochen eines Menschen, der vor über tausend Jahren lebte, noch so viele Informationen gewinnen können“, so Dr. Ronny Friedrich, Geschäftsführer des CEZA.

Die kaiserliche Signatur: Ernährung und Herkunft
Die am CEZA durchgeführten Untersuchungen untermauern den elitären Status des Verstorbenen. Die Kohlenstoff- und Stickstoffisotope belegen eine Ernährung, die reich an tierischen Proteinen und Süßwasserfisch war – ein klarer Hinweis auf den hohen sozialen Rang im Mittelalter. Hirse, als einfaches Grundnahrungsmittel, fehlte auf dem kaiserlichen Speiseplan fast völlig.
Zusammen mit der Radiokohlenstoffdatierung (¹⁴C), die das erwartete Ergebnis für eine Person Ottos I. (gest. 973) ergab, und dem genetischen Abgleich mit seinem Verwandten Heinrich II., ist das Puzzle nun vollständig.
Ein starkes Netzwerk für das kulturelle Erbe
Dieses Projekt zeigt einmal mehr, wie entscheidend die Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften für den Erhalt und das Verständnis unserer Geschichte ist.
Prof. Dr. Ernst Pernicka, Gründer des CEZA, betont die langjährige Partnerschaft: „Das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie ist dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt bereits seit seiner Gründung gewissermaßen als ›kriminaltechnisches Labor der Archäologie‹ eng verbunden. Ich freue mich sehr, dass wir auch zu diesem außergewöhnlichen Fund einen Beitrag leisten konnten.“
Nach Abschluss der Analysen wird Otto der Große am 1. September 2026 in einem neuen Sarg im Magdeburger Dom wieder zur letzten Ruhe gebettet.
Hier gelangen Sie zur ausführlichen Pressemitteilung des LDA Sachsen Anhalt.