Ein internationales Forschungsteam hat herausgefunden, woher das Metall stammt, mit dem Sardiniens berühmte Bronzefiguren, die sogenannten Bronzetti, hergestellt wurden. Mithilfe eines innovativen Multi-Proxy-Ansatzes, bei dem erstmals auch Osmium-Isotope zum Einsatz kamen, konnte das Team präzise Rückschlüsse auf die Herkunft des verwendeten Metalls ziehen. Die Untersuchung zeigt nicht nur, dass das Kupfer meist aus Sardinien selbst stammte, sondern auch, dass das für die Bronzeherstellung benötigte Zinn aus entfernten Regionen – vor allem von der Iberischen Halbinsel – importiert wurde. Die Ergebnisse liefern spannende Einblicke in die Handelsnetzwerke und die Metallverarbeitung der Nuraghenkultur in der späten Bronzezeit.
Beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Aarhus, des Moesgaard Museums (Dänemark), des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie in Mannheim sowie der Archäologischen Aufsichtsbehörde Südsardiniens. Die Untersuchungen erfolgten im Rahmen des vom dänischen Augustinus Fonden geförderten Projektes „Metals & Giants“ unter der Leitung von Helle Vandkilde, Mads Holst und Gianfranca Salis.

Präzise Analysen durch neue Isotopenmethoden
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die kleinen Bronzestatuetten, die in zahlreichen Heiligtümern auf Sardinien gefunden wurden. Das Besondere an der Studie: Das Forschungsteam setzte eine neue Methode ein, um die Herkunft des verwendeten Kupfers zu bestimmen. Dabei wurden gleich mehrere Isotopensysteme – darunter Kupfer, Zinn, Blei und erstmals Osmium – kombiniert. Dieser sogenannte Multi-Proxy-Ansatz wurde am Curt-Engelhorn-Zentrum entwickelt und ermöglicht eine deutlich präzisere Unterscheidung von Metallquellen.

Das Ergebnis: Für die Bronzetti wurde vor allem Kupfer aus Sardinien verwendet – teilweise vermischt mit Kupfer von der Iberischen Halbinsel. Kupfer aus dem Nahen Osten, etwa aus Timna (Israel) oder Faynan (Jordanien), kam hingegen nicht zum Einsatz. Erst durch die Analyse der Osmium-Isotope konnte diese Unterscheidung sicher getroffen werden – mit herkömmlichen Methoden war das kaum möglich.
Überregionale Standards und internationale Handelswege
Auch ein Blick auf drei bedeutende Kultstätten der Nuraghenkultur zeigte: Trotz räumlicher Entfernung nutzten alle diese Heiligtümer Metall auf sehr ähnliche Weise. Es scheint also, dass überregionale Standards in der Herstellung der Bronzetti bestanden.

Eine weitere Erkenntnis überrascht: Obwohl Sardinien reich an Kupfer, Zinn und Blei ist, wurde für die Bronzetti nur das Kupfer lokal bezogen. Das zur Bronzeherstellung nötige Zinn stammte nicht aus sardischen Lagerstätten. Die Isotopensignaturen und chemische Zusammensetzung deuten darauf hin, dass vor allem Zinn aus der Iberischen Halbinsel importiert wurde.
Die Studie von Daniel Berger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am CEZA in Mannheim, und seinen Mitautoren zeigt eindrucksvoll, wie moderne naturwissenschaftliche Methoden helfen können, die Handelsbeziehungen und Produktionsweisen vergangener Kulturen zu rekonstruieren – und dass Sardinien zur Bronzezeit Teil eines weitreichenden Netzwerks war.
Den vollständigen Artikel in PLOS One finden Sie hier.