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Transfer der Hohenheimer Jahrringsammlung

Eines der weltweit ältesten und renommiertesten Klimaarchive kommt nach Mannheim. Ermöglicht wird dies durch eine Förderung der Klaus Tschira Stiftung.

  • Laufzeit: 01.01.2015 - 31.12.2020
  • Partner: Institut für Botanik, Universität Hohenheim

Es findet sein neues Zuhause in den Mannheimer Quadraten in D6,3. Die etwa 50.000 Hölzer füllen etwa 3000 Kisten, von denen die ersten 300 mit einem Gewicht von mehr als fünf Tonnen bereits im Mai in Mannheim eingetroffen sind. Weitere 200 Kisten werden nun Anfang Dezember angeliefert.Das bedeutende Holzarchiv entstand über Jahrzehnte hinweg an der Universität Hohenheim und ist daher als „Hohenheimer Jahrringsammlung“ bekannt.

Die historischen, archäologischen und subfossilen Hölzer (Bohrkerne und Scheiben) sind einige Zentimeter stark und weisen Durchmesser von bis zu eineinhalb Metern auf. Sie stammen vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus anderen Teilen Mitteleuropas. Teils sind sie tausende von Jahren alt. Das Besondere: Ihre Jahrringmuster lassen Rückschlüsse auf das Klima ihres Wuchszeitraumes zu.

Aktuell werden im Klaus-Tschira-Archäometriezentrum im Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) die bereits vorhandenen Messungen der Jahrringbreiten aufbereitet und in eine Datenbank eingespeist. Das Ziel: Hölzer und Klimadaten aus verschiedenen Epochen sollen langfristig gesichert und für künftige Forschungsprojekte zugänglich gemacht werden.

Das Dendrochronologische Labor des Klaus-Tschira-Archäometriezentrums sammelt jedoch nicht nur bereits erfasste Daten. „Wir präparieren fortwährend Hölzer, die bislang nicht vermessen worden sind, um die Jahresringe deutlich sichtbar zu machen. So können wir diese auf 1/110 Millimeter genau vermessen“, erklärt Dr. Thorsten Westphal, Leiter des Labors. „Dabei spiegelt die Jahrringstruktur des Holzes die wechselnden klimatischen Verhältnisse wider – und erlaubt die Datierung von Holz unbekannten Alters bis zur letzten Eiszeit zurück, also etwa 12.000 Jahre vor.

Anhand des Jahrringmusters, also der Abfolge von schmalen und breiten Ringen des Holzes können Dendrochronologen das Alter archäologischer Funde, die Holzreste enthalten, bestimmen. Solche Materialanalysen sind nicht nur für Archäologische Landesämter interessant – etwa wenn es um die Altersbestimmung von Gemälden, Skulpturen oder Musikinstrumenten geht, um herauszufinden, ob es sich um Originale oder Fälschungen handelt. Zudem hat sich die Jahrringanalyse in der Bauforschung als äußerst präzise Datierungsmethode von Gebäuden und ihrer Geschichte (Ursprungs-, An- oder Umbauten, Reparaturen, Ausbesserungen etc.) etabliert.

Die Vermessung der Jahrringe ermöglicht nicht nur eine präzise Altersbestimmung von Hölzern, teils bis auf eine Jahreszeit genau, sondern auch die Verknüpfung von Klimadaten. Anhand sogenannter Jahrringchronologien, zu denen auch die mittels der „Hohenheimer Jahrringsammlung“ erarbeitete Süddeutsche Chronologie zählt, werden Zusammenhänge zwischen Klima und Wachstum der Bäume untersucht – für verschiedene Holzarten und Regionen. Auf diese Weise rekonstruieren die Wissenschaftler das Klima der letzten Jahrtausende.