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Javagold

Goldschmiedearbeiten nehmen seit dem 1. Jahrtausend vor Christus einen besonderen Stellenwert in ganz Südostasien ein.

Naturwissenschaftliche Untersuchungen an Goldobjekten

Goldschmiedearbeiten nehmen seit dem 1. Jahrtausend vor Christus einen besonderen Stellenwert in ganz Südostasien ein. Auf den verschiedenen Inseln Indonesiens war Goldschmuck ein Ausdruck von einem besonderen Stellenwert im Sozialsystem.

Auf Java war Goldschmuck ein unverzichtbarer Bestandteil der hinduistisch-buddhistischen Hofkultur, obwohl es auf der Insel selbst nur geringe Goldvorkommen gibt. Während der klassischen Periode, 7.-16. Jhd. n. Chr., wurde Ringschmuck sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Dieses geschah oft paarweise an beiden Händen, aber auch andere Tragweisen etwa als Anhänger um den Hals sind belegt.

Abb. 1 und 2: Vergrößerung einer geflochtenen Goldkette und von Granulationsarbeiten an einer Kette. Foto: N. Lockhoff, CEZA.

Ikonografisch ist der Schmuck eindeutig hinduistisch-buddhistisch geprägt, doch auch Bezüge zu alten Traditionen sind erkennbar. Neben Ringschmuck wurden auch verschiedene Formen von Ohrschmuck, Kopfschmuck, Ketten und Gürtel sowie Teile von Zeremonialwaffen, Statuen, Votivbleche und Münzen aus Gold gefertigt. Diese Formenvielfalt reflektiert Veränderungen in der Gesellschaft, Religion und Ökonomie und damit die einhergehende unterschiedliche Nutzung von „Gold“. In der frühklassischen Phase sind Goldobjekte noch Teil der Beigabensitte, dieses verändert sich jedoch im Laufe der Zeit. Ritualobjekte werden in Tempeln niedergelegt, Ringe und Münzen werden als „Wertmesser“ gehandelt. Eine Auswahl meisterhafter Schmuckwerke, Insignien sowie Kunst-und Kulturobjekte wurden 2019 und 2020 in einer Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen präsentiert. Die CEZA begleitet die Erforschung und Analyse der einzigartigen Sammlung seit vielen Jahren mit naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Leider gibt es nur wenige archäologisch-gegrabene und gut dokumentierte Goldobjekte aus der klassischen Zeit, so dass der Untersuchung alter Sammlungen allgemein hin ein hoher Stellenwert zukommt. Insgesamt konnten schon über 1400 Gold- und (Silber) Objekte mit naturwissenschaftlichen Methoden „unter die Lupe“ genommen werden. Die Ergebnisse der Forschungskooperation wurden ebenfalls in der Ausstellung präsentiert.

Aufgrund des hohen intrinsischen Wertes soll die Analytik von Goldobjekten m.glichst zerstörungsfrei oder minimal-invasiv erfolgen. Deshalb wurde vorwiegend mit zerstörungsfreien Methoden wie Digitalmikroskopie und Röntgenfluoreszenzanalyse an Metall, Edelsteinen und Glas gearbeitet. An einer kleineren Auswahl von Objekten wurde minimal-invasive Laser Ablation mit Massenspektrometrie (LA-ICP-MS) durchgeführt. Andere Methoden wie etwa Röntgendiffraktometrie, Rasterelektronenmikroskopie und Metallographie kamen bei gezielten Fragestellungen zum Einsatz.

Während das indonesische Münzgold vorwiegend stark legiertes Gold mit hohen Anteilen an Silber- und Kupfer ist, weisen die untersuchten Statuen tendenziell einen deutlich höheren Feingehalt von ca. 90 % Au auf. Beim Schmuck ist die Variation in der Legierungszusammensetzung deutlich größer und es können teilweise Spurenelementmuster beobachtet werden, die mit denen von Werkstattfunden aus Kota Cina (Sumatra) übereinstimmen.

Abb. 3: Zelle für Laserablation. Hier können Proben oder kleinere Objekte direkt mit einem Laser beprobt werden. Das abgetragene Material wird dann mit einem Helium-Gasstrom in ein ICP-MS Analysegerät eingeführt. Foto: C. Breckle, rem.

Bei kulturhistorisch relevanten Objekten steht oft die Frage nach der Altersbestimmung im Vordergrund. Metallobjekte sind generell bislang nicht direkt naturwissenschaftlich datierbar. Die Goldobjekte aus der Sammlung wiesen stellenweise oxidische Eisenanhaftungen auf, die auch geringe Mengen an Kohlenstoff enthielten und mit der 14C Methode datiert werden konnten. Dies ist nur eine indirekte Datierung, die im Idealfall das Alter der Anhaftung widerspiegelt. An der Möglichkeit zu einer direkten Datierung von Goldobjekten wird im Rahmen der Kooperation ebenfalls geforscht. Dieser neue Ansatz basiert auf der Fähigkeit von Gold, das Edelgas Helium zu speichern, welches beim radioaktiven Zerfall von Uran, Thorium und Platin entsteht. Beim Schmelzen entweicht das Helium aus dem Gold und die „radioaktive Uhr“ wird sozusagen auf „Null“ gestellt. Hierdurch sollte theoretisch die direkte Datierung des letzten Aufschmelzens möglich sein.

Details dazu auf rem-mannheim.de:
www.rem-mannheim.de/ausstellungen/rueckblick/